Behinderung
In Österreich leben rund 1,34 Millionen Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen (im engeren sowie weiteren Sinn). Diese Menschen erfahren in mehrerlei Hinsicht Diskriminierungen und Ausgrenzungen in unterschiedlichem Maße. Menschen mit Behinderungen im weiteren Sinn (z.B. Menschen mit Sehbeeinträchtigungen oder chronischen Krankheiten) können in vielen Fällen mittels individueller Hilfsmittel (z.B. Brille oder regelmäßige Einnahme von Medikamenten) am alltäglichen Leben teilhaben.
Menschen mit Behinderungen im engeren Sinn hingegen werden von den vorherrschenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der Verrichtung ihres Alltags behindert und können daher nicht entsprechend partizipieren. Der gesellschaftliche Ansatz diese Menschen mit Parallelstrukturen wie z.B. Sonderschulen, betreuten Arbeitsstätten oder eigenen Wohngemeinschaften unterstützen zu wollen, ist zwar gut gemeint, geht aber an den tatsächlichen Bedürfnissen der meisten Betroffenen vorbei. Darüber hinaus fehlt es dem Großteil der Bevölkerung aufgrund dieser Parallelität an Wissen und Erfahrungen im Umgang mit Behinderungen, was Unbehagen, Unsicherheiten im Umgang, Vorurteile und falsche Bilder fördert.
Um diese für alle Beteiligten unbefriedigende Situation zu verbessern und Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen volle Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, müssen Barrieren und Ausgrenzungsmechanismen abgebaut werden. Die Förderung eines inklusiven Gesellschaftsmodells und die Schaffung von inklusiven Rahmenbedingungen (= Inklusion) für behinderte Kinder und Jugendliche sind daher dringend notwendig.
Dabei geht es im Wesentlichen um drei Hauptaspekte: Barrierefreiheit, Hilfsmittel und personelle Hilfe. Österreich hat sich durch die Unterzeichnung und Ratifizierung der UNO-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bereits zum Modell der Inklusion verpflichtet. Nun sind entsprechende Bereiche mit Leben zu befüllen. Der dafür notwendige Paradigmenwechsel im Zugang zu Behinderung und den damit verbundenen Fragestellungen (weg vom medizinischen hin zum sozialen Modell von Behinderung) geht bisher in Österreich nur langsam voran und ist daher auf politischer Ebene stärker voranzutreiben.