Das Europäische Kinder- und Jugenddenkmal

Das Europäische Kinder- und Jugenddenkmal wurde am 6. Mai 2001 auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen eröffnet. Es erinnert an die Kinder und Jugendlichen, die Opfer des NS-Regimes wurden, und steht bis heute als Zeichen dafür, dass nationalsozialistisches Gedankengut nie wieder Platz in unserer Gesellschaft haben darf.

Die BJV setzt sich seit ihrem Bestehen für eine aktive Gedenkarbeit und Erinnerungskultur ein. Ein fester Bestandteil im BJV-Jahreskalender ist die Mitgestaltung und Teilnahme an der Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen im Mai. Am Europäischen Kinder- und Jugenddenkmal wird dabei jedes Jahr im Rahmen des Jugendgedenkzugs, der im Steinbruch beginnt und über die Todesstiege führt, der von den Nationalsozialisten ermordeten Kinder und Jugendlichen gedacht.

Feierliche Eröffnung mit internationaler Jugendbegegnung

Lange Zeit fanden Kinder und Jugendliche als eigene Opfergruppe jedoch nur wenig Beachtung. Auch in der Gedenkstätte Mauthausen gab es zunächst keinen dezidierten Ort, an dem jener Kinder und Jugendlichen gedacht werden konnte, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2001 das Europäische Kinder- und Jugenddenkmal in der Gedenkstätte Mauthausen errichtet und am 6. Mai feierlich eröffnet. Die Fertigstellung erfolgte in der Woche vor der jährlichen Befreiungsfeier in Mauthausen im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung.

Diese Begegnung wurde von der BJV (damals noch Österreichischer Bundesjugendring), dem Mauthausen Komitee sowie der Österreichischen Lagergemeinschaft organisiert. Insgesamt nahmen 18 junge Menschen aus sieben Ländern daran teil.

Kinder- und Jugendliche als Opfer

Allein in Mauthausen wurden über 15.000 junge Menschen unter 20 Jahren ermordet. Viele von ihnen waren Kinder politischer Häftlinge und ausländischer Zivilarbeiter*innen. Mehr als eine Million jüdische Kinder wurden von den Nationalsozialisten in Vernichtungslagern, in Ghettos und an anderen Orten getötet. Auch Kinder von Sinti und Roma, „asoziale“ sowie widerständige Kinder und Jugendliche wurden in Konzentrations- oder Internierungslager verschleppt und ermordet. Kinder und Jugendliche mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen wurden als menschliche Versuchsobjekte missbraucht.

Das Europäische Kinder- und Jugenddenkmal ist all diesen Kindern und Jugendlichen gewidmet.

  • Die Grundidee war es, ein lebendiges Denkmal zu errichten, das nicht Statisch bleiben muss, sondern wachsen und sich verändern darf. Dieses Veränderbare und Vergängliche sollte ein Zeichen dafür sein, dass Erinnern und Gedenken etwas Aktives ist und keineswegs ein Schlussstrich gezogen werden soll.
  • Die Materialien des Denkmals wurden bewusst so gewählt, dass sie sich mit der Zeit verändern oder verwittern. Das Holz, die Steine, die Farben.
  • Verschiedene Elemente, Symbole, Texte und Bilder ergeben einen begehbaren gepflasterten Innenraum, der an einen Kinderspielplatz erinnern soll, den man auch betreten darf.
  • Das Zentrum des Denkmals ist eine sitzende Mädchenfigur aus Holz. Das geschmiedete Eisenblechteil in der Mitte der Skulptur liegt schwer auf dem Holz und symbolisiert die erdrückende Situation der Kinder.
  • Hinter der Skulptur steht eine Schaukel, als weltweites Symbol für das Spielen und die Entwicklung von Kindern zu Jugendlichen, aber auch als Metapher für die erlebten und ersehnten Kindheitserinnerungen.
  • Am Boden des Denkmals sind Mosaiksymbole angebracht, die an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnern: die weiße Rose, die linke Hand zu einer Faust geformt und die drei roten Pfeile.
  • An Widerstand in der Gegenwart macht das „Stopp“-Zeichen als Zeichen gegen Rassismus und gegen Gewalt an Frauen aufmerksam. Ein weiteres Widerstandssymbol der damaligen Zeit, die Trillerpfeife, durfte aufgrund politischer Interventionen nicht angebracht werden. Der dafür vorgesehene Betonsockel musste leer bleiben.
  • Rund um eine Tafel mit Fußabdrücken im Schnee wurden Mosaike gelegt, die an die Kennzeichnung der jeweiligen Opfergruppen des KZ erinnern.

Teil des Denkmals war auch eine Vitrine, in die Besucher*innen der Gedenkstätte Murmeln oder andere kleine Kinderspielzeuge als Zeichen des Widerstands gegen Nationalsozialismus, Fremdenfeindlichkeit & Rassismus einwerfen konnten. Der Gedanke war, mit diesen Mitbringsel das Denkmal eines Tages zu erweitern. Die Vitrine wurde leider zwei Mal gestohlen und nach dem zweiten Diebstahl nicht mehr aufgebaut.

Das Denkmal wurde von der Künstlerin Angela Zwettler angeleitet. Auf ihrer Website geht sie ausführlich auf die Symbolik des Denkmals ein und gibt Einblicke zur Errichtung. Hier geht’s zur Website.

Weiterentwicklung des Denkmals anlässlich des 25-jährigen Bestehens

Im Jahr 2026 besteht das Europäische Kinder- und Jugenddenkmal seit 25 Jahren. Um der Grundidee des Denkmals gerecht zu werden – nämlich einen Ort zu schaffen, an dem sich junge Menschen kontinuierlich mit Erinnerung und Gedenken auseinandersetzen – sammelt die BJV derzeit Ideen zur Weiterentwicklung des Denkmals.

Das Bild zeigt das Europäische Kinder- und Jugenddenkmal
Das Europäische Kinder- und Jugenddenkmal bei der Befreiungsfeier 2026 in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen