Der 10. Inklusionsbeirat mit Input aus Tirol

Beim Jubiläumstreffen des Inklusionsbeirats der BJV stand diesmal das Thema Demokratie und Chancengerechtigkeit im Mittelpunkt, ein Thema, welches die Arbeit der Bundesjugendvertretung das ganze nächste Jahr über prägen wird.

Da das Treffen online stattfand, nutzten wir die Gelegenheit, uns in größerer Runde auszutauschen und luden auch den Jugendbeirat des Tiroler Monitoringausschusses ein. Schön war es, viele bekannte sowie neue Gesichter begrüßen zu dürfen.

Barrieren abbauen

Zum Auftakt des Treffens wurde die Frage gestellt: Was verbinden wir eigentlich mit Demokratie und welche Erfahrungen haben wir damit gemacht? Es zeigt sich: Demokratie bedeutet für alle Teilhabe, Freiheit und die konsequente Umsetzung von Rechten, kann aber nur funktionieren, wenn sie selbstverständlich barrierefrei und behindertengerecht gestaltet ist. Hier gibt es, wie sich beim Online-Treffen durch die Erfahrungen der Teilnehmer*innen zeigt, aber noch erheblichen Nachholbedarf.

Wege der Teilhabe

Demokratie lebt von Beteiligung. Doch schon beim Wählen selbst treten zahlreiche Hürden auf. Wahlkabinen sind oft zu klein für Rollstühle, persönliche Assistenz darf nicht immer unterstützen, und wer in Institutionen lebt, ist in Österreich vielfach von Wahlen ausgeschlossen.

Aber auch abseits der Wahlurne gibt es vielfältige Möglichkeiten zur Mitgestaltung: Kommentare und Likes auf Social Media, die Teilnahme an Demonstrationen oder die Organisation von Veranstaltungen. Gleichzeitig zeigte sich, dass Demos für manche jungen Menschen mit Behinderungen schwer zugänglich sind – sei es aufgrund anstrengender Rahmenbedingungen wie Hitze oder langes Gehen, fehlende Barrierefreiheit oder das Gefühl von Unsicherheit.

Forderungen der Jugendlichen

Im Rahmen des Treffens wurde deutlich, dass es mehr braucht als nur das formale Recht auf Teilhabe. Damit Demokratie nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis behindertengerechter und inklusiver wird, müssen verschiedene Bereiche verändert werden und proaktiver auf Jugendliche mit Behinderungen zugegangen werden.

  • Selbstbestimmtes Wählen muss für alle möglich sein.
  • Assistenz soll eine selbstverständliche Unterstützung sein.
  • Informationen zum Wahlvorgang müssen klar, transparent und leicht zugänglich sein.
  • Parteiprogramme, besonders zu behindertenpolitischen Agenden, müssen transparenter und in leichter Sprache formuliert sein.
  • Einladungen zu Demos oder Veranstaltungen sollten auch in einfacher Sprache verfügbar sein – und nicht nur über bestehende Netzwerke zirkulieren.
  • Unternehmen müssen stärker verpflichtet werden, Arbeitsplätze inklusiv zu gestalten.
  • Sonderregelungen für junge Arbeitnehmer*innen mit Behinderungen, wie etwa zusätzliche Urlaubstage, sollten in allen Kollektivverträgen gleichermaßen verankert werden, um Ungleichheiten zu verhindern.
  • Menschen mit Behinderungen sind in der Politik kaum sichtbar – hier braucht es echte Teilhabe statt bloßes „Diversity Washing“.
  • Vor allem junge Menschen mit Behinderungen sollten proaktiv zu Beteiligungsformaten eingeladen werden.
  • Viele demokratische Formate konzentrieren sich stark auf Wien. Für echte Chancengerechtigkeit braucht es mehr Veranstaltungen in allen Bundesländern.

Demokratie gestalten

Die gemeinsame Diskussion zeigt, dass Demokratie ein lebendiger Prozess ist, der von allen gestaltet werden muss – und zwar ohne Ausgrenzung. Es reicht nicht, junge Menschen mit Behinderungen „einzuladen“. Es braucht proaktives Handeln, echte Mitsprachemöglichkeiten und den Willen von Politik und Verwaltung, Barrieren konsequent abzubauen. Demokratie kann nur dann stark und gerecht sein, wenn sie wirklich alle mitdenkt, dabei sind sich Inklusions- und Jugendbeirat mehr als einig.