Klimajugendrat: Die Politik beim Wort nehmen
Erstmals haben beim Klimajugendrat 2025 alle beteiligten Politiker*innen ein Commitment abgegeben und selbst schriftlich festgehalten, wofür sie sich im Interesse junger Menschen klimapolitisch einsetzen wollen. Rund ein halbes Jahr nach der Dialogveranstaltung haben wir nun gemeinsam mit jungen Teilnehmer*innen nachgefragt, was aus den Vorsätzen geworden ist.
Erfreulicherweise konnten im April 2026 gleich vier Follow-up-Gespräche mit Abgeordneten organisiert werden. Alle jungen Teilnehmer*innen des Klimajugendrats 2025 waren eingeladen, sich einzubringen. Gemeinsam mit den BJV-Vorsitzenden Anna Schwabegger, Lejla Visnjic und Moritz Mittermann haben Vorstandsmitglied Hannah Rippel, EYD Andin Berisha, EYD Anna-Marie Christely, Florian, Markus, Michael und Rafael bei den Abgeordneten nachgehakt.
Wir haben bei allen Parlamentsklubs wegen Terminen nachgefragt. Folgende Abgeordnete nahmen sich Zeit für ein Gespräch:
- Carina Reiter (ÖVP)
- Julia Herr, Wolfgang Moitzi (SPÖ)
- Ines Holzegger (NEOS)
- Leonore Gewessler, Lukas Hammer, Ralph Schallmeiner (GRÜNE)
Die Gespräche waren insgesamt von sehr viel Wertschätzung geprägt und alle Abgeordneten waren darauf vorbereitet, den jungen Teilnehmer*innen ein Update zu ihren Commitments zu geben. Dazu zählten u. a. die Themen Biodiversität, Öffi-Ausbau, Fake News, Klimabildung oder Psychische Gesundheit.
Aktuelles Thema: Energieunabhängigkeit
In einigen der Termine sorgte das Thema Energie für Gesprächsstoff, weil es nicht nur mit Klimapolitik zusammenhängt, sondern auch mit Frieden und Sicherheit. Einmal mehr wurde betont, wie wichtig der Ausbau von Erneuerbaren ist, damit Österreich schneller energieunabhängig und klimaneutral werden kann. Angesprochen wurde u. a., dass sich Österreich auch auf EU- Ebene für eine raschere Transformation stark machen muss. Eine Herausforderung, für die es bisher noch keine gute Lösung gibt: Die Landesregierungen müssen beim Erneuerbaren-Ausbau mitziehen – der Bund kann den Ländern keine Maßnahmen, wie den Bau neuer Windkraftanlagen vorschreiben.
Dauerbrenner: Ausbau und Subventionierung des öffentlichen Verkehrs
Wie in den Vorjahren war Mobilität auch diesmal ein großes Anliegen der jungen Teilnehmer*innen. Einerseits geht es dabei darum, selbstständig, unabhängig und vor allem sicher unterwegs sein zu können. Andererseits ist auch jungen Menschen bewusst, dass die CO2-Emissionen im Verkehrssektor sinken müssen, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen. Angesprochen wurde deshalb u. a., wie es mit Öffi-Ausbau und Preisgestaltung für Tickets aussieht. Bei der Frage nach der Wiedereinführung des kostenlosen Klimatickets für 18-Jährige erteilten Abgeordnete der Regierungsparteien den jungen Teilnehmer*innen eine Absage mit Verweis auf die angespannte Budgetsituation.
Überfällig: Abschaffung klimaschädlicher Subventionen
Über fast allen klimapolitischen Maßnahmen, egal ob in Planung oder bereits in Umsetzung, schwebt derzeit das Damoklesschwert der Finanzierbarkeit. Bei den Gesprächen mit den Abgeordneten ging es auch deshalb einmal mehr darum, dass immer noch jährlich 4,1 bis 5,7 Milliarden Euro an klimaschädlichen Subventionen fließen. Auch wenn bspw. die Abschaffung der Steuerbefreiung von Kerosin ein gemeinsames Vorgehen auf EU-Ebene erfordert, gab es von fast allen Abgeordneten Zustimmung dazu, dass es endlich mehr Entschlossenheit auf nationaler Ebene braucht, um ausreichend Budget für mehr Klimaschutz freizumachen.
Die Zeit drängt: Österreich braucht ein KlimaSCHUTZgesetz
Das immer noch ausständige Klimaschutzgesetz ist eine zentrale Forderung der jungen Teilnehmer*innen und wurde daher auch in allen Gesprächen mit den Abgeordneten thematisiert. Weil unter den Abgeordneten auch einige Klima- bzw. Umweltsprecher*innen waren, war es wenig überraschend, dass es viel Zustimmung gab, etwa wenn es um die Verankerung der Klimaneutralität bis 2040 oder die Notwendigkeit für klare Sektoren-Ziele und Konsequenzen bei Nicht-Erreichen ging. Auf die Frage, bis wann mit einem Gesetzesentwurf zu rechnen sei, hielten sich die Abgeordneten eher bedeckt. Sobald ein entsprechender Entwurf in Begutachtung geht, wird sich die BJV jedenfalls im Interesse junger Menschen mit einer Stellungnahme einbringen.
Fazit: Dialog braucht Kontinuität
Die Gespräche mit den Abgeordneten haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, im Dialog zu bleiben, gerade wenn es darum geht, dass die viel zitierten dicken Bretter gebohrt werden müssen. Durch so manche Aussage eines*einer Abgeordneten und die Atmosphäre bei den Gesprächen wurde deutlich, dass qualitätsvolle Jugendbeteiligung für alle Beteiligten bereichernd und stärkend ist.



