Aus dem Blog

UNYD Katharina bei der Frauenstatuskommission

UN-Jugenddelegierte Katharina konnte dieses Jahr im März an der Frauenstatuskommission (CSW) in New York als Teil der österreichischen Delegation für die BJV teilnehmen. Die Frauenstatuskommission ist die wichtigste internationale Konferenz für Gleichstellung und Frauenrechte. Katharina berichtet in diesem Blog-Beitrag von ihren Erfahrungen.

Jeden März findet in New York, in den Headquarters der UN, die Frauenstatuskommission (Commission on the Status of Women – CSW) statt. Bei dieser Konferenz geht es jährlich um ein anderes Prioritätsthema, das einen bestimmten Aspekt von Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechten aufgreift. Knapp zwei Wochen lang diskutieren Diplomat*innen, Minister*innen und Aktivist*innen dann über dieses Thema und debattieren, wie bestehende Ungleichheiten am besten bekämpft werden können. Dieses Jahr ging es um Zugang zur Justiz für Mädchen und Frauen und das Schaffen von inklusiven und fairen Rechtsgrundlagen und Rechtssystemen. Als Teil der österreichischen Delegation durfte ich mich in die Diskussionen rund um dieses Thema einbringen und mich dafür einsetzen, dass auch die Perspektive und Anliegen von jungen Menschen miteinbezogen werden.

UN-Jugenddelegierte Katharina Reisebauer steht vor den Flaggen von Österreich, der EU und der UN

Es war meine erste UN-Konferenz in New York und ich habe nicht nur viel Inhaltliches gelernt, sondern vor allem auch viel darüber, wie so eine Konferenz überhaupt genau funktioniert. In den Medien liest man meistens über offizielle UN-Verhandlungen und sieht Fotos und Videos von Menschen, die in einem großen Plenarsaal hinter einem Landesschild sitzen und Reden halten. Diese offiziellen Sessions gibt es natürlich wirklich: während der CSW fand jeden Tag sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag eine offizielle Sitzung statt, bei der Mitgliedsstaaten Statements halten und miteinander diskutieren und verhandeln.

Parallel dazu finden allerdings auch unglaublich viele „Side Events“ statt, die von bestimmten UN-Organisationen, Mitgliedsstaaten, oder NGOs (ko-)organisiert werden und bei denen es oft um noch spezifischere Aspekte des Prioritätsthemas geht. Das Format dieser Side Events ist je nach Event ganz unterschiedlich: manche finden im UN-Gebäude in großen Sälen statt und sind optisch fast nicht von den offiziellen Sitzungen zu unterscheiden, manche in kleineren Sälen der UN, und manche in den Büros der Vertretungen von Mitgliedsstaaten oder von NGOs.

Ein runder Sitzungstisch mit verschiedenen Menschen. Ihr Herkunftsland wird auf digitalen Schildern eingeblendet. Auf einem Bildschirm in der Mitte wird der Titel "From Youth Priorities to local action: adcancing young women's access to justice in agrifood systems" eingeblendet.

Manchmal sind hunderte Menschen vor Ort und manchmal sind es Events in kleinerem Kreis; mal sprechen Minister*innen, mal Aktivist*innen. Obwohl ich wusste, dass es bei Konferenzen immer Side Events gibt, war mir nicht bewusst, wie gut besucht diese sind: obwohl immer mehrere Side Events gleichzeitig stattfanden, waren die Säle oft so voll, dass man gar keinen Platz mehr bekam!

Neben offiziellen Sitzungen und Side Events finden am Rande einer UN-Konferenz außerdem auch noch informelle Treffen statt. Nachdem so eine Konferenz viele Menschen in New York zusammenbringt, die am selben Thema arbeiten, sonst aber auf der ganzen Welt verstreut sind, nutzen viele die Gelegenheit, um sich abseits von Events in informellen Settings zu treffen und miteinander auszutauschen. Meine Zeit in New York hat sich aus diesen verschiedenen Arten des Austauschs zusammengesetzt.

Ein großes Highlight war, dass eine der offiziellen Sitzungen der Konferenz unter dem Titel „Interaktiver Jugenddialog“ stand und es einen Nachmittag lang darum ging, wie junge Frauen und Mädchen Justiz- und Rechtssysteme erleben und welche Forderungen die Jugend in diesem Themenbereich hat. Dabei wurden Mitgliedsstaaten ermutigt, ihr Statement Jugenddelegierten zu überlassen, und ich hatte das Privileg, im Namen von Österreich eine dreiminütige Rede halten zu dürfen.

In dieser machte ich anhand eigener Erlebnisse sowie der Erfahrungen, die mir andere junge Frauen und Mädchen in Österreich geschildert hatten, darauf aufmerksam, dass viele von uns bereits sehr früh das Vertrauen in das Rechtssystem verlieren – etwa durch ungleiche Behandlung in der Schule, folgenlose Beschwerden über Belästigung oder toleriertes Fehlverhalten. Außerdem verdeutlichte ich, dass verschiedene marginalisierte Gruppen ganz besonders von diesem Phänomen betroffen sind. Zum Abschluss meines Statements brachte ich konkrete Forderungen der BJV und Österreichs Jugend ein: gendersensible Trainings für Lehrer*innen, Integration von Rechten und Justizmechanismen in Lehrpläne, und sichere und effektive Beschwerdemechanismen auf allen Ebenen.

UN-Jugenddelegierte Katharina Reisenbauer steht im Plenarsaal im UN-Hauptgebäude in New York.

Es war mir eine Ehre, diese Anliegen im Namen von jungen Menschen aus Österreich direkt an der UN in New York anbringen zu können, und fast noch schöner fand ich es, die Statements der anderen Jugenddelegierten im Saal anzuhören – ein Moment, der mir persönlich Hoffnung gegeben hat, dass unsere Zukunft in guten Händen ist.

Trotz all dieser positiven Eindrücke möchte ich hier nicht ungesagt lassen, dass es im internationalen Kampf für Frauenrechte aktuell leider auch Rückschläge gibt. Viele andere Aktivist*innen, die bereits in den letzten Jahren an der CSW teilgenommen hatten, berichteten mir, dass dieses Jahr spürbar weniger Teilnehmer*innen vor Ort waren als zuvor – vermutlich eine Konsequenz der zunehmend strengeren Einreisebeschränkungen sowie multipler Budgetkürzungen. Gleichzeitig gestalteten sich die Verhandlungen des Abschlusstextes der CSW schwieriger als in Vorjahren. Der Text ist zwar inhaltlich wertvoll, konnte aber leider nicht wie üblich einstimmig, sondern nur durch ein Mehrheits-Votum angenommen werden. Gerade angesichts dieser Rückschläge finde ich es aber umso wichtiger, dass junge Menschen weiterhin an Konferenzen wie der CSW teilnehmen können und dort darum kämpfen, dass wir unsere Gegenwart und Zukunft selbst mitgestalten!

Du möchtest Kontakt mit Katharina aufnehmen? Dann melde dich per Mail bei katharina.reisenbauer@bjv.at.