Armut
In Österreich sind laut der aktuellen EU-SILC-Studie 344.000 Kinder und Jugendliche – und damit etwa jedes fünfte Kind – armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten und der zunehmenden finanziellen Belastung vieler Familien in Zeiten einer Budgetkrise besteht die Gefahr, dass diese Zahl weiter ansteigt.
Darüber hinaus bedeutet Kinder- und Jugendarmut weit mehr, als finanzielle Einschränkungen im täglichen Leben. Sie beeinflusst die Bildungs- und Zukunftschancen junger Menschen, erschwert gesellschaftliche Teilhabe und wirkt sich langfristig auf Gesundheit und Lebensqualität aus. Armut im Kindesalter wird zudem häufig über Generationen weitergegeben.
Die BJV beschäftigt sich mit dem Thema, weil kein Kind und kein*e Jugendliche*r aufgrund der finanziellen Situation der eigenen Familie schlechtere Chancen auf Bildung, Gesundheit oder gesellschaftliche Teilhabe haben darf. Die Umsetzung der Kinderrechte und die Bekämpfung von Kinderarmut sind deshalb zentrale Lobbying-Themen der BJV. Denn Kinderarmut ist keine Naturgegebenheit, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen und kann durch Maßnahmen wirksam bekämpft werden.
Kindergrundsicherung für eine effektive Bekämpfung von Kinderarmut
Die wichtigste Forderung der BJV zur Bekämpfung von Kinderarmut ist die Kindergrundsicherung: eine finanzielle Unterstützung für Familien, die aus einem Grundbetrag sowie einer zusätzlichen, einkommensabhängigen Leistung für Familien mit geringem Einkommen besteht, um armutsgefährdete Kinder besser zu unterstützen. Die Kindergrundsicherung soll jungen Menschen ein würdevolles Aufwachsen ermöglichen. Darüber hinaus fordert die BJV den Ausbau von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für betroffene Familien sowie finanzielle Unterstützung für junge Menschen in Ausbildung.
Auch faire Arbeitsbedingungen sind ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung von Armut. Die BJV fordert daher Maßnahmen gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse, gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit sowie die faire Entlohnung von Menschen mit Behinderungen in Werkstätten.
Die BJV bringt die Perspektiven junger Menschen als Mitglied der Armutskonferenz sowie in verschiedenen politischen Gremien ein. Außerdem macht die BJV auf die Lebensrealitäten armutsbetroffener Kinder und Jugendlicher in Österreich aufmerksam, zuletzt auch mit der Kampagne „Armut ist kein Kinderspiel“.